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Dieser Tage erreichte uns wieder eine Nachricht unseres Haushüter-Ehepaar`s Föhr aus Bodnegg Kreis Bodensee.
Ja - die Sicht der Dinge - wer nicht zum Jetset gehört und demzufolge nicht in Luxushotels gastiert, sieht Brasilien und seine Einwohner naturgemäß mit anderen Augen als das, was zum Anlass der Weltmeisterschaft 2014 von professionellen Fernsehberichten vermittelt wird.

Aber lesen Sie selbst, was das Eberhard Föhr anläßlich seiner Südamerika Rundreise berichtet:
Mail vom 10.05.2014

Hallo,seit einer Woche sind wir wieder unterwegs – jetzt in Brasilien. Zuerst besuchten wir die Wasserfälle des Rio Iguassu im 3-Ländereck Brasilien-etwas feucht aber schoenArgentinien-Paraguay. Unsere Haushüter bei den Wasserfällen von CartaratasWir hatten an dem Tag nicht gerade das beste  Wetter herausgesucht, aber die Wassermenge war sehr groß. Bei einer Tour mit einem Schlauchboot fuhr der Bootsführer ein paar Mal mit uns durch einen kleineren Wasserfall – alle waren klatschnass. Das hat natürlich Spaß gemacht.
Von Foz do Iguassu flogen wir dann nach Rio. Unser Hotel ist in der Altstadt. Das ist wirklich Rio! Anfangs hatten wir auch Bedenken wegen der Kriminalität. Wenn man seinen Schmuck bzw. seine Rolexuhr zeigen will, dann darf man sich nicht wundern dass andere sich dafür interessieren. Und nach 22 Uhr sollte man dann auch im Hotel sein. Wenn man das beachtet, kann man sich unbesorgt in der Stadt bewegen – auch mit dem Fotoapparat.

Natürlich suchten wir auch die Rio-Höhepunkte Corcovado und Zuckerhut. Einen ganz starken Eindruck machte bei uns die geführte Tour durch dieFavelabesuch Favela Rocinha (siehe Bild) – die größte Favela in Südamerika mit ca. 160 000 Menschen. Unvorstellbar, wie die Menschen dort leben. Und kaum ein paar km weiter die Stadtviertel Copacabana und Ipanema – Welten liegen dazwischen.  Von der WM-Stimmung merkt man hier nicht viel. Alle sind skeptisch, wie die ganze Show abläuft. Und vor allem, was danach kommt. Hier in Rio merkt man schon die enormen Anstrengungen der Stadt und des Staates. So sauber haben wir Rio noch nie gesehen. Ich denke aber, die Rechnung wird dann nach der WM den Brasilianern präsentiert.Morgen fahren wir mit dem Bus die nca. 300 km lange Strecke an der Costa Verde (grüne Küste) nach Paraty – ein Städtchen, das seinen kolonialen Stil bewahrt hat. Hier wollen wir tropisches Flair am Strand genießen.Viele Grüße aus der cidade maravilhosa Nicki und Eberhard

Mail vom 14.07.2014

Hallo,
wieder erholt von der anstrengenden Zitterpartie des Finales? Wir wollten das Finale bei einem Public Viewing hier in Salvador miterleben – aber so etwas gab es hier nicht. Wäre auch kritisch und schwer kontrollierbar. So haben wir die Partie vor einer Bar an der Praca da Se in Salvador angeschaut.

Die Brasilianer hatten die WM sowieso schon abgehakt. Aber richtig schlimm wäre es für viele gewesen, wenn Argentinien Weltmeister geworden wäre.
Eine Woche waren wir ohne Anschluss an die Errungenschaften der modernen Zivilisation – VIVO (unser Provider) hat bei Sao Felix do Xingu keine Stationen.Wir sind dorthin gefahren, weil dort Schw. Luisa, eine Schwester vom Orden der Armen Schulschwestern, arbeitet. Besuch bei den IndiosBesuch bei den Indios. Eigentlich wollten wir in ein Indianerreservat, aber die Bürokratie (FUNAI) ließ diesen Plan scheitern. Wir fühlten uns dort wie im wilden Westen. Die Stadt hat ca. 100 000 Einwohner und keinen Arzt, nicht mal im dortigen Krankenhaus. Die nächste Stadt ist ca. 130 km entfernt, aber die Straße!

Schwester Luisa arbeitet in der dortigen Pfarrgemeinde. Sie hat einen Pistolero, wie sie sagt. Er fährt sie und macht die Arbeiten, die sie hat. Er hat auch uns gut betreut. In der Stadt wird viel Selbstjustiz ausgeübt mit der Pistole.

Dort haben wir auch das Viertelfinale Brasilien gegen Kolumbien mit dem anschließenden Auto- bzw. Motorradkorso miterlebt und das Halbfinale Brasilien gegen Deutschland. Dabei fuhren wir dann durch leere Straßen und haben es nicht gewagt, die deutsche Flagge zu zeigen. Wir waren im Haus von Geraldo, dem Pistolero von Schwester Luisa. Er trainierte interessierte Jugendliche im Fußball. Aber der neue Bürgermeister setzt andere Prioritäten. Am liebsten wäre Geraldo unter seinen Sessel gekrochen.

Anderntags hat er uns dann mitgenommen auf „seine“ Insel im Rio Xingu – 1 Bootsstunde von Sao Felix do Xingu entfernt. In der Gegend sieht man nicht mehr viel vom Urwald – das meiste ist gerodet für Viehweiden. So sieht man sehr viel Rinder hauptsächlich Zebus.Brasilien hat auch das Problem mit der Integration, in dem Fall der Indianer. Wir besuchten 2 Lager, wo Indianer, die aus dem Urwald gekommen sind, untergekommen sind. Ein trostloses Bild.

Seit Samstag sind wir hier in Salvador – eine Stadt mit allen Facetten. Salvador und FinaleHier genießen wir die angenehm warme Meeresluft, nachdem wir eine Woche Salvadorrichtig heiß hatten und alles ganz staubig war. Die nächsten 10 Tage bleiben wir hier an der grünen Küste mit Kokospalmen und bewegen uns langsam südwärts bis Porto Seguro.

Viele Grüße Nicki und Eberhard

 

Mail vom 27.07.2014

Hallo,

 wir sind wieder gut in Porto Alegre angekommen. Es ist schon ein gewaltiger Temperaturunterschied – in Bahia bis 32° C und in der Nacht nicht weniger als 20° C und hier am Morgen 5 bis 6° C. Zum Schlafen ist es aber viel angenehmer ohne Klimaanlage. In diesen 3 Wochen haben wir wieder viel gesehen und erlebt. Wir meinten, auf einem anderen Kontinent zu sein, in Afrika. Und das in einem Land!

In Salvador haben wir ein Auto gemietet und sind an der Küste entlang gefahren bis Porto Seguro. An das Fahren hier muss man sich schon auch gewöhnen – am besten ist es, man fährt gerade so, wie man will. Viele Verkehrsteilnehmer haben auch gar keinen Führerschein. Von den Riesen-LKWs wird man auch noch überholt vor einer Bergkuppe! Wenn die deutsche Polizei das alles sehen würde, wäre sie wohl wieder zufrieden mit der Fahrweise der deutschen Verkehrsteilnehmer.

Die Küste ist wunderschönDie Küste Bahias ist traumhaft schön, mit vielen Kokospalmen und Wäldern mit Kakaosträuchern. Unterwegs hatten wir nie (im Straßenverkehr ausgenommen) das Gefühl, dass wir in einer bedrohlichen Situation befinden. Die Leute alle waren sehr freundlich und hilfsbereit.

Wir waren auch dort, wo die deutsche Nationalmannschaft ihr Quartier hatte. Die Leute waren alle begeistert von den Spielern. Die 7 : 1 Schlappe tut den Brasilianern aber schon noch weh. Mit den Händen die 7 zeigen sollte man tunlichst vermeiden. Aber schlimmer als diese Niederlage wäre es für die meisten Brasilianer gewesen, wenn Argentinien Weltmeister geworden wäre.

Santa Cruz da Cabralia ist auch der Ort, an dem Alvarez Cabral im April 1500 an Land ging und das Land für Portugal in Besitz nahm.

Dies ist unser letzter Bericht aus Brasilien. In einer Woche fliegen wir wieder zurück, So haben wir in dieser Woche noch viele verwandtschaftliche und freundschaftliche Verpflichtungen zu erfüllen.Hasta Luego
Wir sind schon dankbar dafür, dass wir in dieser langen Zeit des Aufenthaltes hier so viel erleben und sehen durften und alles gut gegangen ist, auch gesundheitlich. Da haben wir unserem Körper manchmal schon einiges zugemutet.

So freuen wir uns auch wieder auf unser zuhause und Euch alle wieder zu sehen. Sicher werden wir Dinge wie Schinkenwurst, Kässpätzle, gute Schokolade, Käse, Bratwurst und Weizenbier dann so richtig genießen. Wir haben sie schon vermisst.

Bis zum Wiedersehen ganz liebe Grüße aus Porto Alegre von

Nicki und Eberhard

 

Willkommen Daheim, wir vom Haussitter-Blog möchten uns bei dieser Gelegenheit ganz herzlich für die interessanten und informativen Beiträge und Bilder des Ehepaars Föhr bedanken und wünscht eine gute Heimreise.